Herzstillstand im Drogeriemarkt - Erfolgreiche Reanimation durch Krankenschwester und Müller-Mitarbeiterinnen
(Sichtigvor – 05.03.2026) Als Anja Thomas-Hegener am Montag durch den Drogeriemarkt Müller in Sichtigvor bummelte, lief vor ihr ein Mann – ein „älteres Semester", sagt sie, etwa Mitte 80. „Quietschfidel", sagt die Krankenschwester. Sie bog links ab in einen Gang, er rechts – „und dann hab ich's knallen gehört". Der Mann lag leblos am Boden.
Die ersten Minuten sind entscheidend
Anja Thomas-Hegener begann sofort damit, ihn zu reanimieren. Klar, sie habe sich gefragt, ob sie gerade das Richtige macht – „Will er das? Hat er vielleicht eine Patientenverfügung?" –, aber Zeit zum Zögern gab es nicht. Außerdem rief sie um Hilfe. „Sie hat richtig geschrien", sagt Bettina Nübel. Die Mitarbeiterin des Drogeriemarkts und ihre Kolleginnen reagierten sofort: Ute Gröblinghoff rief den Notarzt, Bettina Nübel rannte zur Volksbank, um den Defi zu holen („Ich wusste, dass da einer ist"), Melissa Mai half bei der Herzdruckmassage und Regina Borggrewe und Anita Schöne sorgten dafür, dass der Markt vorübergehend geschlossen wurde. „Wir haben alle als Team – wie immer – zusammengehalten", betont Bettina Nübel.
Der Notarzt war „relativ schnell da", berichten die Frauen, aber eine Dreiviertelstunde wurde der Mann behandelt, bevor er in ein Soester Krankenhaus gebracht wurde. Dort sei er stabil angekommen und sei nun „wohlauf". Und das wohl auch, weil die Frauen so beherzt eingegriffen haben – und wussten, wo der Defi steht. Denn: „Bei einem Herzstillstand sind die ersten Minuten entscheidend", weiß Anja Thomas-Hegener.
Foto: Reanimation geglückt: Darüber freuen sich (v.l.) Alexa Senger, Bettina Nübel, Ute Gröblinghoff, Anja Thomas-Hegener und Melissa Mai. © Hannah Löseke
Quelle: Soester Anzeiger Lokalteil Warstein vom 05.03.2026
23 rund um die Uhr öffentlich zugängliche Defis im Stadtgebiet Warstein
Der Defibrillator am SB-Schalter der Volksbank in Sichtigvor ist einer von 23 sogenannten AEDs (kurz für: automatisierter externer Defibrillator), die im Warsteiner Stadtgebiet rund um die Uhr öffentlich zugänglich sind. Finanziert wurden sie über das Projekt „Herzsicheres Warstein" größtenteils über die Stiftung Maria Hilf Warstein, aber auch über einzelne Sponsoren. Zusammen mit den Corhelpern, also freiwilligen Ersthelfern, die über die gleichnamige App vom Kreis Soest alarmiert werden, sei das gerade im ländlichen Raum wichtig, um die Zeit zu überbrücken, bis der Rettungswagen da ist, betont Stiftungsvorsitzende Alexa Senger.
Insgesamt 243 registrierte Corhelper gibt es in der Stadt Warstein über alle Ortsteile verteilt. Seit Freischaltung der Corhelper-App im Kreis Soest gab es kreisweit 641 Corhelper-Alarmierungen, 56 davon in Warstein. 20 Mal kamen Corhelper auch wirklich zum Einsatz – und fünf Leben wurden dadurch erfolgreich gerettet, teilt die Stiftung mit.
Mehr Corhelper gesucht
„Es könnten noch mehr sein, wenn es noch mehr registrierte Corhelper geben würde", wirbt Alexa Senger für die Schulungen. Die Stiftung übernimmt nämlich die Schulungskosten. Um Corhelper zu werden, braucht es eine Erste-Hilfe-Schulung, die nicht älter als zwei Jahre ist, die Anmeldung auf der Corhelper-App und die Teilnahme an der Online-Helferschulung. Erste-Hilfe-Schulungen bieten demnach die heimischen Anbieter – Malteser-Hilfsdienst, DRK-Ortsverein und AIS Bildung – an. Interessierte Personen und Gruppen können sich aber auch an die Stiftung wenden, betont Alexa Senger: Sie helfe gern bei der Organisation einer Schulung.
Die Reanimation im Drogeriemarkt hat bereits Wirkung gezeigt: Anja Thomas-Hegener will sich nun selbst als Corhelper registrieren. Als Krankenschwester bringt sie ohnehin die nötige Erfahrung mit, sie möchte aber auch Werbung in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis machen.
Quelle: Soester Anzeiger Lokalteil Warstein vom 05.03.2026